Mund von fremden Frauen?

Eine tiefe Grube ist der Mund von fremden Frauen; wem der HERR zürnt, der fällt hinein.

Spr 22,14

In vielen modernen/evangelikalen Kommentaren wird hier so erklärt, dass es sich auf das potentiell unkeusche Verhalten von jungen Männern bezieht, die durch die Küsse einer Frau verführt werden können.

Oder es wird gesagt, hier ginge es um Huren, die die Männerwelt verdrehen…Zwei Beispiele:

Das soll alle jungen Menschen vor sexueller Unmoral warnen. Wenn sie an das Wohlergehen ihrer Seele denken, sollen sie sich vor dem Mund fremder Frauen hüten, vor den Küssen ihrer Lippen, ihrem verführerischen Charme. Fürchten Sie sich vor ihnen, haben Sie nichts mit ihnen zu schaffen.

Matthew Henry, 17. Jahrhundert

Und

Die verführerischen Worte einer Hure verbergen eine Falle, aus der es kaum ein Entkommen gibt.

William MacDonald, 20. Jahrhundert

Habe ungefähr nen halbes Dutzend Kommentare der letzten paar hundert Jahre (bin bis etwa 300 Jahre zurückgegangen) durchgesehen, der Ton geht fast immer in dieselbe Richtung, mal saftiger, mal weniger saftig.

Aber hier mal eine, wie so oft, überraschend moderne Auslegung eines Kirchenvaters, Ambrosius:

Der Mund desjenigen, der schlecht redet, ist eine große Grube, ein steiler Abgrund für den Unschuldigen, aber noch steiler für den Böswilligen. Ein Unschuldiger, der leichtgläubig ist, fällt schnell, aber wenn er gefallen ist, steht er wieder auf. Der Verleumder wird durch seine eigenen Taten kopfüber in den Abgrund geschleudert, aus dem er nie wieder auftauchen oder entkommen wird.

Ambrosius von Mailand (339-397), 4. Jahrhundert

Ist es nicht interessant, dass hier das Geschlecht gar keine Rolle spielt? In gewisser Weise hat Ambrosius aufgeklärter ausgelegt, als viele der Ausleger der letzten Jahrhunderte…

Unsere Heilige Mutter Pelagia die Büßerin

Pelagia war eine berühmte Schauspielerin und Tänzerin in Antiochia. Sie war sehr schön, kleidete sich mit großem Luxus und Stil und war eine beliebte Sensation. Außerdem war sie eine Prostituierte und sehr wohlhabend. Die Menschen in Antiochia nannten sie Margarete (oder „Perle“), weil sie so viel Schmuck trug. Eines Tages traf sich eine Gruppe von Bischöfen in Antiochia, und Bischof Nonnus sah sie. Er sah sie lange an, als sie vorbeiritt, und sagte dann zu den anderen versammelten Bischöfen: „War sie nicht wunderschön?“ – und er begann zu weinen. Er erklärte ihnen: „Es war eine Freude, sie zu sehen. Mir scheint, Gott hat sie hierher gestellt, um uns zu richten, denn sie verwendet so viel Zeit und Mühe darauf, körperlich schön zu sein, und wir verwenden nicht so viel Zeit und Mühe darauf, geistlich schön zu werden.“

Als Nonnus das nächste Mal in der Kirche sprach, war Pelagia (zum ersten Mal) dabei und hörte sich seine Predigt an. Seine Worte trafen sie mitten ins Herz und sie sah ihr Leben in all seiner Hässlichkeit und Schande. Sie begann zu weinen und schickte später eine Nachricht an Bischof Nonnus: „An den heiligen Jünger Christi – eine Sünderin und Jüngerin des Teufels lässt grüßen.“ In ihrem Brief bat sie darum, in die Kirche aufgenommen zu werden. Nonnus freute sich und ernannte eine Diakonin, Romana, zu ihrer Patin. Pelagia ließ sich taufen und schenkte bald darauf ihr gesamtes Vermögen der Kirche, um es den Armen zu geben. Am achten Tag nach ihrer Taufe legte sie ihr weißes Taufkleid ab und verließ Antiochia – nicht, um zur Sünde zurückzukehren, sondern um in Jerusalem asketisch zu leben. Sie lebte in der Einsamkeit als Einsiedlerin und gab sich als Mann, Pelagius, aus, um sicher zu sein. Nach ihrem Tod wurde entdeckt, dass sie eine Frau war. Sie starb um 460 in Frieden.

Lawrence R. Farley, A Daily Calendar of Saints: A Synaxarion for Today’s North American Church (Chesterton, IN: Ancient Faith Publishing, 2018), 226-227.

Der Herr weiß alles

Der Herr weiß alles, aber Er wartet auf deine Worte, nicht um zu strafen, sondern um zu verzeihen. Es ist nicht Sein Wille, dass der Teufel über dich triumphiert und dich anklagt, wenn du deine Sünden verheimlichst. Sei deinem Ankläger zuvorkommend: Wenn du dich selbst anklagst, wirst du keinen Ankläger fürchten; wenn du dich selbst anzeigst, wirst du, obwohl du tot bist, leben.

Ambrosius von Mailand, Bischof von Mailand, 339-397

Üble Gedanken

Jemand sagte einmal zu einem der Wüstenväter: „Abba, ich habe viele Gedanken und sie bringen mich in Gefahr.“ Der Alte führte ihn hinaus und sagte zu ihm: „Weite deinen Brustkorb und atme nicht ein.“ Auf die Antwort des Mannes, dass er das nicht könne, entgegnete Abba Poemen: „Wenn du das nicht kannst, kannst du auch nicht verhindern, dass Gedanken entstehen, aber du kannst ihnen widerstehen.“

Michael Keiser, A Beginner’s Guide to Prayer: The Orthodox Way to Draw Closer to God (Chesterton, IN: Ancient Faith Publishing, 2003), 43

Gott muss wachsen?

Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.

Johannes 3,30

In der konkreten Situation meint Johannes damit, dass er zurücktreten muss, wenn der Messias auftritt. Johannes ist der “Ankündiger”, er selbst ist nicht der Messias.

Aber der Vers kann auch konkret für Christen Allgemein verstanden werden – und wurde er auch seit je her, bspw. durch Augustinus:

„Er muss zunehmen, aber ich muss abnehmen.“ Was ist das? Er muss gepriesen werden, aber ich muss gedemütigt werden. Wie soll Jesus sich vermehren? Wie soll Gott sich vermehren? Das Perfekte wächst nicht. Gott nimmt weder zu noch ab. Denn wenn er wächst, ist er nicht perfekt; wenn er abnimmt, ist er nicht Gott. Und wie kann Jesus sich vermehren, wenn er Gott ist? … Das ist ein großes Rätsel! Bevor der Herr Jesus kam, haben sich die Menschen selbst verherrlicht; er kam als Mensch, um die menschliche Herrlichkeit zu mindern und die Herrlichkeit Gottes zu mehren…. Denn das sagt der Apostel, das sagt die heilige Schrift: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn „

Werden Sie in sich selbst Ruhm ernten? Sie werden wachsen; aber Sie werden in Ihrem Übel noch schlimmer werden. Denn wer schlechter wird, wird zu Recht weniger. Lasst also Gott, der immer vollkommen ist, in euch wachsen und wachsen. Denn je mehr Sie Gott verstehen und begreifen, desto mehr scheint er in Ihnen zu wachsen; aber in sich selbst wächst er nicht, da er immer vollkommen ist…. Untersuchen Sie die Natur der Menschheit: Wenn ein Mensch geboren wird und wächst, lernt er die Sitten der Menschen kennen. Was kennt er anderes als die Erde und die Dinge der Erde? Er spricht die Dinge der Menschen, kennt die Dinge der Menschen und kümmert sich um die Dinge der Menschen. Fleischlich, er urteilt fleischlich, mutmaßt fleischlich. Alles dreht sich um Menschlichkeit! Lass die Gnade Gottes kommen und seine Dunkelheit erleuchten, wie es heißt: „Du wirst meine Kerze entzünden, o Herr; mein Gott, erleuchte meine Finsternis“; lasst sie den Geist der Menschheit nehmen und ihn ihrem eigenen Licht zuwenden. Sofort beginnt [Johannes] zu sagen, wie der Apostel sagt: „Doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist “ , und „Jetzt lebe ich; und doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir“, das heißt: „Er muss zunehmen, aber ich muss abnehmen“.

Joel C. Elowsky, Hrsg., Johannes 1-10, Ancient Christian Commentary on Scripture (Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 2006), 136

Tochter Satans

Laut „Hirt des Hermas“, einer frühchristlichen Schrift (ca. 150 n. Chr., Autor ist Hermas, ein nicht weiter bekannter Christ aus Rom), ist der Zweifel die Tochter Satans.

Neuntes Gebot
ES MUSS OHNE UNTERLASS UND MIT UNERSCHÜTTERLICHEM VERTRAUEN ZU GOTT GEBETET WERDEN.

  1. Er sagte mir: „Wirf weg von dir allen Zweifel und jegliches Bedenken, etwas von dem Herrn zu erbitten, indem du bei dir sprichst: wie kann ich etwas von dem Herrn erbitten und erlangen, da ich so sehr gegen ihn gesündigt habe?
  2. Mach dir darüber keine Gedanken, sondern wende dich von ganzem Herzen an deinen Herrn und bitte ihn ohne Bedenken, und du wirst seine Barmherzigkeit kennen lernen, daß er dich gewiß nicht verläßt, sondern die Bitte deines Herzens erfüllen wird.
  3. Denn Gott ist nicht wie die Menschen, die Böses nachtragen, vielmehr verzeiht er und erbarmt sich seines Geschöpfes.
  4. Reinige also dein Herz von allen Eitelkeiten dieser Welt, auch von den oben erwähnten Bedenken; dann flehe zum Herrn, und du wirst alles erhalten, und keine deiner Bitten wird fehlschlagen, wenn du sie vertrauensvoll an ihn richtest.
  5. Wenn du aber zweifelst in deinem Herzen, wirst du keine Bitte erfüllt sehen; denn die an Gott zweifeln, das sind die Zweifler, and diesen wird überhaupt keine ihrer Bitten gewährt.
  6. Aber die Vollkommenen im Glauben bitten um alles im Vertrauen auf den Herrn und erhalten es, weil sie mit Vertrauen bitten, frei von allem Zweifel. Denn es wird schwerlich geschehen, daß ein Zweifler sein Heil findet, wenn er sich nicht bekehrt.
  7. Reinige also dein Herz vom Mißtrauen, gürte dich mit dem Glauben, denn er ist stark, und vertrau zu Gott, daß du alles, um was du ihn bittest, erlangen werdest. Und wenn du einmal den Herrn um etwas gebeten hast, aber die Erhörung deiner Bitte sich etwas verzögert, so verliere das Vertrauen nicht, weil deine Seele die Erfüllung ihres Gebetes nicht schnell erhielt; denn sicherlich ist eine Prüfung oder ein dir unbekannter Fehltritt daran schuld, daß sich die Erfüllung deiner Bitte verzögert.
  8. Auch mußt du beharrlich sein mit dem Gebete deiner Seele, dann wirst du es erlangen. Wenn aber dein Eifer und dein Vertrauen beim Beten nachlassen, dann klage dich selbst an und nicht den, der dir geben sollte.
  9. Schau dir solch ein Mißtrauen an; es ist böse, sinnlos, reißt vielen den Glauben mit der Wurzel aus, sogar ganz Tiefgläubigen und Gefestigten. Und zwar ist diese Zweifelsucht eine Tochter Satans, und sie vergeht sich gar schwer an den Dienern Gottes.
  10. Lege also den Zweifel beiseite und beherrsche ihn in allem, rüste dich dafür mit dem starken und mächtigen Glauben; der Glaube verspricht nämlich alles und vollendet auch alles, das Mißtrauen aber, das nicht (einmal) an sich selbst glaubt, versagt bei allem, was es beginnt.
  11. So siehst du denn“, schloß er, „daß das Vertrauen von oben kommt, vom Herrn, und daß es große Macht besitzt; das Mißtrauen aber ist ein irdischer Geist, kommt vom Teufel und hat keine Macht. 12. Diene also du dem mächtigen Glauben und halte dich fern von dem machtlosen Mißtrauen, dann wirst du in Gott leben; auch alle anderen, die so denken, werden in Gott leben.“

(Alexander Roberts, James Donaldson, und A. Cleveland Coxe, Hrsg., „The Pastor of Hermas“, in Fathers of the Second Century: Hermas, Tatian, Athenagoras, Theophilus, and Clement of Alexandria (Entire), übers. von F. Crombie, Bd. 2, The Ante-Nicene Fathers (Buffalo, NY: Christian Literature Company, 1885), 26)

Die Schrift „Hirt des Hermas“ wurde bis ins 4. Jahrhundert hinein bei einigen christlichen Gemeinden im Gottesdienst gelesen.

Hermas gilt als apostolischer Vater und damit auch als Kirchenvater. Man weiß dank des Kanon Muratori über ihn noch, dass er ein verheirateter Sklave und Bruder von Pius I. (um 150 n. Chr. Bischof von Rom) gewesen ist.

Der Kanon Muratori (eine Auflistung der christlichen Bücher, entstanden bis ca. 200 n. Chr.) schreibt über „Hirt des Hermas“:

„Den Hirten aber hat ganz vor Kurzem zu unserer Zeit Hermas aus Rom geschrieben, als auf dem Stuhl der Gemeinde Roms sein Bruder Pius saß. Und darum soll er wohl gelesen werden. Aber in der Gemeinde dem Volk vorgelesen werden kann er bis zum Ende der Tage nicht, weder unter den Propheten, deren Zahl abgeschlossen ist, noch unter den Aposteln.“

https://www.wikiwand.com/de/Der_Hirte_des_Hermas

Bild: Niklas Hamann

Warum benutzt Jesus Gleichnisse?

Theodor von Mopsuestia über die Eigenart von Jesus, regelmäßig Gleichnisse zu benutzen:

„Es war häufig seine Gewohnheit, Gleichnisse aus mindestens zwei Gründen zu verwenden: entweder, weil er über ungesehene Dinge sprechen würde, um durch das Gleichnis unsichtbare Dinge sichtbar zu machen, soweit dies möglich war. Oder es lag an der Unwürdigkeit der Zuhörer, wenn ihnen aus dem, was gesagt wurde, nichts Gutes erwachsen würde. Aber es gab noch eine andere, dritte Ursache für Gleichnisse. Häufig mäßigte er, wenn er etwas als Widerlegung sagte, durch ein Gleichnis die Härte der Widerlegungen um der Zuhörer willen, wie wenn er das Gleichnis vom Weinberg erzählt und sagt, dass „er diese bösen Menschen elendiglich vernichten“ und „seinen Weinberg an andere verpachten“ wird. Indem Jesus diese Dinge zu den Pharisäern sagte, vermied er offensichtlich eine harte Sprache.“

Matthäus 13,13-16, Jesus spricht :

„Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen; und es wird an ihnen die Weissagung des Jesaja erfüllt, welche lautet: »Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und mit den Augen werdet ihr sehen und nicht erkennen! Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und mit den Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie verschlossen, daß sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.
Aber glückselig sind eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören!“

Fülle des Lebens

König der Heiligen, unbesiegbares Wort des Vaters im Himmel, Herr der Weisheit, Labung in der Mühsal, ewige Freude, Jesus, Erlöser der ganzen Menschheit, Hirte, Sämann, Steuermann und Lenker, wie auf einem Flügel trägst du die heilige Herde zum Himmel.

Jesus, als Menschenfischer bist du gekommen, um die Menschen aus dem Meer der Sünde zu erretten; die reinen Fische ziehst du an dich aus dem Wasser der Gefahr mit dem Köder des erfüllten Lebens. Du bist der heilige Hirte: Leite du die Herde der menschlichen Geschöpfe, regiere als König über die Söhne ohne Makel.

Auf deinen Spuren, Christus, führt der Weg zum Himmel. Du bist das von Ewigkeit her lebendige Wort, Zeit ohne Ende, unsterbliches Licht, Quelle der Barmherzigkeit, Lehrmeister der Tugend.

Du bist das wahre Leben aller, die Gott loben.

In der Einfachheit des Herzens zählen wir uns zur Schar des Sohnes, des Allmächtigen. In Christus neugeboren, bilden wir den Chor des Friedens, ein weises Volk.

Vereint singen wir dem Gott des Friedens.

(Klemens von Alexandrien, 150-215)

Bild: Beatriz Ribeiro – Vatnajokull Glacier

Apostolische Konstituitionen (Constitutiones Apostolorum)

Die Apostolische Konstituitionen (Constitutiones Apostolorum) sind eine Sammlung von theologischen Schriften aus dem späten vierten Jahrhundert. Angeblich sind sie das Werk der den zwölf Apostel, überliefert durch Clemens von Rom.

Durch dieses Werk können wir heute einen Einblick in die frühe Kirche des dritten und vierten Jahrhunderts gewinnen, da die Werke, so weit sie verbreitet und bekannt wurden, anerkannt waren und umgesetzt wurden.

Sie spielten auch im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965, einberufen von Papst Johannes XXIII) im Rahmen der Liturgiereform eine wichtige Rolle.

Hier ein kleiner, eher bekömmlicher, Ausschnitte aus dem ersten Buch der Sammlung „Von den Laien“:

Erstes Buch: Von den Laien

Die Apostel und die Priester an Alle, welche aus den Heiden an den Herrn Jesum Christum glauben: Gnade euch und Friede vom allmächtigen Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, die Fülle in seiner Erkenntniß!
Die katholische Kirche ist Pflanzung Gottes, sein auserwählter Weinberg. Ihr Alle, welche ihr an die irrthumslose Religion Gottes glaubet, durch Glauben die Früchte seines ewigen Reiches genießet, die ihr seine Kraft und die Theilnahme am hl. Geist empfangen habet, ausgerüstet durch Jesum Christum und von seiner Furcht innerlich durchdrungen, theilhaft der Besprengung mit dem kostbaren und unschuldigen Blute Christi, die ihr vertrauensvoll dem allmächtigen Gott den Namen Vater gebet, als Miterwählte und Miterben seines liebenswürdigen Sohnes, höret die Lehre, welche mit seinen glorreichen Worten übereinstimmt, die ihr nach der Anordnung des Heilands an seiner Verheissung fest haltet. Habet Acht, Kinder Gottes, daß ihr Alles in Gehorsam gegen Gott thuet, und seid in Allem Christo unserm Gott angenehm. Denn wenn Jemand der Ungerechtigkeit folgt und das thut, was dem Willen Gottes entgegengesetzt ist, so wird er von Gott einem Volke gleich geachtet werden, das ohne Gesetz und Sitte ist.

[…]

2. Man soll weder schmähen noch Rache üben.
[…]Ähnlich ist auch im Evangelium geschrieben: „Segnet Diejenigen, welche euch Böses wünschen.“ Ist euch Unrecht geschehen, so thut nicht wieder Unrecht, sondern duldet es, dieweilen die Schrift sagt: „Sag’ nicht: Ich will das Böse vergelten; wart’ auf den Herrn, der wird dir helfen.“ 14 Und wiederum spricht der Herr im Evangelium: „Liebet eure Feinde, thut Gutes denen, die euch hassen, und betet für Die, so euch verfolgen und verläumden, damit ihr Kinder seid eueres Vaters, der im Himmel ist, welcher seine Sonne aufgehen läßt über die Guten und Bösen und regnen über die Gerechten und Ungerechten.“ Beobachtet also, Geliebteste, diese Gebote, damit ihr in deren Erfüllung als Kinder des Lichtes erfunden werdet. Deßwegen ertraget euch wechselseitig als Knechte und Kinder Gottes. Der Mann sei gegen sein Weib nicht stolz, nicht anmaßend, sondern gütig und liebenswürdig; er suche nur seinem Weibe zu gefallen, und ihr ehrbar zu schmeicheln, bestrebt, ihr angenehm zu sein.

[…]

4. Man soll nicht mit Vergnügen den Fehlern Anderer nachspüren, sondern sich seinen eigenen Geschäften widmen.
Du sollst nicht herumflankiren und lustwandeln und zwecklos in den Straßen herumschweifen, ein unzeitgemäßer Beobachter übel Lebender, sondern richte deine Aufmerksamkeit auf deine Kunst und dein Geschäft und bestrebe dich, das zu thun, was Gott angenehm ist. Erinnere dich an die Aussprüche Christi und betrachte sie fleissig. Denn dir sagt die Schrift: „In seinem Gesetze sollst du betrachten Tag und Nacht, du magst auf dem Acker gehen und zu Hause sitzen, wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst, damit du in Allem weise seiest.“ Selbst wenn du reich bist und deine Kunst, welche dich nährt, nicht nöthig hast, sollst du nicht herumschweifen und ohne Zweck hin und her gehen, sondern du magst entweder zu den Gläubigen gehen oder zu Gleichgesinnten, und im Verkehr mit ihnen streue heilsame Lehren aus.

5. Welche Bücher der hl. Schrift man lesen soll. Wenn du dein Haus nicht verlassen willst, so setze dich daselbst nieder und lies das Gesetz, die Bücher der Könige, die Propheten, singe die Psalmen Davids und durchforsche fleissig die Erfüllung davon, nämlich das Evangelium.

(aus Apostolische Konstitutionen und Kanones. (4. Jhd.), Bibliothek der Kirchenväter, bkv267)

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