Der bewegliche Gott

„Eine Untersuchung des Motivs der Reue Gottes in der Hebräischen Bibel“ (Jan-Dirk Döhling)

Vielfach bezeichnet die Hebräische Bibel ein Verhalten Gottes, einen Handlungs- oder Absichtswandel, als seine Reue (vgl. etwa die Fluterzählung, die Geschichte vom sog. Tanz ums goldene Kalb, das Jonabuch und die berühmte Passage von Gottes Herzensumsturz in Hosea 11). Ist Gott demnach fehlbar? Vergisst sich Gott? Tut Gott, was er sagt? Kaum zufällig hat die alttestamentliche Exegese dieses irritierende Gottesbild weithin gemieden. Die vorliegende Studie untersucht die hebräische Reuewurzel „nicham“ in ihrer Breite. Sie gelangt nach methodischen und semantischen Vorüberlegungen zu einer narratologischen Beschreibung und theologischen Deutung des biblischen Reue-Motivs. Zentrale Bedeutung gewinnt dabei die Kategorie der Bewegung. Israels Gott ist beweglich, kann sich bewegen und bewegen lassen. Bewegen sich Menschen kehrt Gott um, bewegt sich Gott können Menschen sich zu ihm kehren.

Das Buch ist kostenfrei bei Academia verfügbar.

Reife macht Stolz?

Es ist gefährlich, zu selbstbewusst zu werden, was die Reife unseres eigenen Glaubens angeht. Unser Stolz ist wie die Feder eines Jack-in-the-box [Anm.: eine an einer Sprungfeder angebrachter Clownskopf, die beim Öffnen des Deckels noch oben schnellt]: Gerade wenn wir denken, dass er kaputt ist oder dass wir den Deckel fest verschlossen haben, erwacht er wieder zum Leben. Er erhebt sein hässliches Haupt und tänzelt herum wie ein Zirkusnarr.
Es ist so leicht, sich in unseren eigenen Errungenschaften zu verfangen – auch wenn es um den Glauben geht. Wir können in der Erkenntnis wachsen und dann auf andere herabschauen, die noch wachsen müssen. Der Psalmist in Ps 131 präsentiert die Lösung mit einer sicheren, prägnanten Aussage. Er unterwirft sich ganz der Ordnung Gottes. Er ringt nicht mit den Dingen, die keinen Sinn ergeben – er ist in der Lage, sie in Gottes Hand zu legen. Sein innerer Friede kommt aus dem totalen Vertrauen in Gott: „Mein Herz ist nicht hochmütig, und meine Augen sind nicht hochmütig, und ich kümmere mich nicht um Dinge, die zu groß und zu schwer für mich sind. Vielmehr habe ich meine Seele besänftigt und zur Ruhe gebracht, wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele bei mir“ (Ps 131,1-2).
Reifer Glaube findet sich im kindlichen Vertrauen – einem Vertrauen, das uns selbst als klein und Gott als mächtig ansieht. Petrus spricht auch über den Frieden, der ein Ergebnis des Glaubens ist, der sich Gott unterordnet. Die Unterordnung erlaubt uns, in einer Situation weise zu handeln, alles „um des Herrn willen“ (1 Petr 2,13). Gutes zu tun wird die Unwissenden zum Schweigen bringen (1Petr 2,15), und wenn wir Gutes tun, während wir die Misshandlung anderer ertragen, wird Gott uns seine Gunst erweisen (1Petr 2,20). Letztendlich ist es Christus, der als Beispiel für Unterordnung dient. Selbst als er litt und Misshandlungen ertrug, hat Jesus „keine Sünde begangen und kein Betrug in seinem Mund gefunden“ (1. Petr. 2,22). Stattdessen hat er sich „dem anvertraut, der gerecht richtet“ (1. Petr. 2,23).
Jesu Erlösungstat sollte der Fokus all unseres Handelns sein. Während Stolz eine Rebellion gegen Ihn ist, reichen Vergebung und Gnade durch Christus aus, um uns bis ans Ende unserer selbst zu treiben und uns in den Hafen der Liebe Gottes zu schicken. Sein Opfer beseitigt das Bedürfnis, hochmütig und selbstsüchtig zu sein. Es bringt unsere Seelen zur Ruhe.

John D. Barry und Rebecca Kruyswijk, Connect the Testaments: A One-Year Daily Devotional with Bible Reading Plan (Bellingham, WA: Lexham Press, 2012).

Beste Freunde für immer

Diese Generation hat mehr Möglichkeiten zur Kommunikation als jede andere vor ihr, mit E-Mail und sozialen Netzwerken, die es möglich machen, rund um die Uhr mit anderen zu interagieren. Dennoch sind die Selbstmordraten höher als je zuvor und Antidepressiva sind fast zum Standard geworden. Wir haben mehr Verbindungen als je zuvor, aber es sind keine Beziehungen. Wir fühlen uns immer noch allein. Menschen brauchen authentische Gemeinschaft – das Gefühl, mit jemandem zusammen zu sein – um sich ganz und gesund zu fühlen.

Die Geschichte von David und Jonathan zeigt die wahre Natur von Freundschaft: „Die Seele Jonathans hing an der Seele Davids, und Jonathan liebte ihn wie seine eigene Seele“ (1 Sam 18,1). Jonathan hätte leicht eifersüchtig auf seinen Freund sein können; David war ein großer Krieger und war gerade in den Haushalt von Jonathans Vater, dem König, als dessen Schützling aufgenommen worden (1 Sam 17,48-58; 18,2). Anstatt eifersüchtig zu sein, reagierte Jonathan mit Liebe und Freundlichkeit, und die beiden wurden die beständigsten Freunde.

Eine authentische Beziehung baut auf Vertrauen auf, was oft damit beginnt, dass eine Person sich für die andere aufopfert. Jonathan brachte ein solches Opfer: „Jonathan zog das Gewand aus, das er trug, und gab es David, zusammen mit seinem Kampfanzug und sogar seinem Schwert, seinem Bogen und seinem Gürtel“ (1 Sam 18,3-4). Weil Jonathan David als Freund liebte, wuchs ihre Beziehung zu einer tief verwurzelten Loyalität. Wenn wir dieses tiefe Vertrauen und diese Loyalität mit einem Freund teilen, können wir gemeinsam in Gottes Willen wachsen. Wir alle brauchen jemanden, auf den wir uns verlassen können; David und Jonathan zeigen, wie kraftvoll eine solche Beziehung sein kann. Sie lehren uns, was es bedeutet, Jahwe mit einem anderen Menschen an der Seite zu folgen.

In der frühen Kirche waren authentische Beziehungen nicht nur eine Idee – sie waren eine Lebensweise: „Ist jemand unter euch krank? Dann soll er die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen und sie sollen über ihm beten und ihn im Namen des Herrn mit Olivenöl salben“ (Jak 5,14). Die frühe Kirche reagierte auf Krankheit oder Schmerz nicht mit den Worten: „Ich werde für dich beten.“ Sie haben tatsächlich gebetet. So wie Jonathan in einer schnellen Aktion David die Ehre gab, wie ein Königssohn zu sein, so kümmerte sich die frühe Kirche schnell um die ihren. Sie machten sich Freunde, indem sie loyal waren, wie Christus ihnen gegenüber loyal war. Sie schufen Gemeinschaft, indem sie Liebe und Freundlichkeit zeigten, ohne zu verlangen, dass diese Freundlichkeit erwidert wird. Aber die Rendite war groß: Sie legten den Grundstein für eine weltweite Bewegung.

John D. Barry und Rebecca Kruyswijk, Connect the Testaments: A One-Year Daily Devotional with Bible Reading Plan (Bellingham, WA: Lexham Press, 2012)

Urknall

Ein interessanter Gedankengang aus dem Buch „Abschaffung der Religion?“ (Richard Schröder):

Deshalb ist es jedenfalls nicht einfach nur verrückt, sich vorzustellen, dass es drei Sekunden nach dem Urknall, als es weder uns noch intelligente Wesen auf anderen Planeten geben konnte (denn es gab noch keine Atome, geschweige denn Moleküle oder gar die DNA), bereits nicht nur etwas, sondern auch jemanden gab – wobei schon der Satz ‘es gab etwas’ ohne Sprecher ohne Sinn ist. In der Bibel findet sich jedenfalls dieser Gedanke: ‘Ehe die Berge geboren waren und die Erde und die Welt geschaffen, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit’ (Ps 90,2).

„Abschaffung der Religion?“ (Richard Schröder)

Hinweis: Das Buch ist quasi eine Erwiderung auf Dawkins „Gotteswahn“ und „Das egoistische Gen“.

Keine Zeit?!

Ihr belügt Gott, wenn ihr sagt, daß ihr keine Zeit habt. Wenn jemand etwas tun will, und er hat eigentlich keine Zeit, dann nimmt er sich eben die nötige Zeit. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Wo ein Herz für den Herrn Jesus ist, ist auch reichlich Zeit für ihn vorhanden. Glaube an den Herrn, und dann wirst du genug Zeit für den Dienst des Herrn haben und keinen Augenblick weniger für die nötigen Pflichten deines Berufs.

C. H. Spurgeon, Baptistenpastor/Prediger, 1834-1892

Die heutige Andacht aus „Auf dein Wort“ hat diesen Schluss. In der gesamten Andacht geht es darum, dass jeder von uns 24h am Tag Zeit hat – und alles Wesentliche auch hinbekommt: Beispielsweise ziehen wir uns angemessen an und wir essen ausreichend viel.

„Wen ihr Zeit habt, euren Leib zu kleiden, habt ihr keine Zeit, eure Seele mit der Gerechtigkeit Christi zu bekleiden?“

„Wenn ihr Zeit habt, euren Körper zu speisen, warum speist ihr eure Seele nicht?“

Er geht natürlich (er ist in der Sache immer sehr deutlich) noch sehr viel weiter – „Sie[viele Leute] führen ein gänzlich zweckloses, zielloses Leben. Und doch sagen sie, dass sie keine Zeit haben.“.

Zusammenfassend endet er vor dem obigen Zitat mit „Wenn du mit Gott verhandelst, so sage wenigstens etwas, was wie gesunder Menschenverstand aussieht. Ihr belügt Gott…“.

Böse Gedanken überwinden

Der heilige Diadochos von Photiki schrieb einmal, dass das Herz in der Lage ist, sowohl gute als auch böse Gedanken zu produzieren. Aber die bösen Gedanken werden nicht natürlich produziert – sie kommen aus der Erinnerung an das Böse. Wiederholte Sünde wird zur Gewohnheit, und Gewohnheiten sorgen für starke Erinnerungen. Wenn jemand z.B. Ehebruch begangen hat, kann er damit aufhören, aber die Erinnerung daran bleibt bestehen. Solange er nicht wirklich Buße tut und die Erinnerung als reizvolle Fantasie überwindet, wird er Probleme mit der Ablenkung haben.
Geistliches Wachstum ist nicht nur eine Frage des Entfernens der negativen Gedanken und Taten aus unserem Leben, sondern des Ersetzens des Negativen durch etwas Positives. In diesem Fall könnte es bedeuten, gezielt für die Errettung der Person zu beten, mit der man gesündigt hat.

Michael Keiser, A Beginner’s Guide to Prayer: The Orthodox Way to Draw Closer to God (Chesterton, IN: Ancient Faith Publishing, 2003), 40-41.

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