Wer die Wahrheit tut kommt zum Licht

20 Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; 21 wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.

Joh 3,20-21

Dazu aus dem Buch Enoch (Pseudepigraph):

5 Und ich sah die Vorratskammern der Sonne und des Mondes, aus denen sie hervorkommen und zu denen sie zurückkehren, und ihre herrliche Rückkehr, und wie die eine lobenswerter ist als die andere, und ihren prächtigen Lauf. Und sie verlassen den Kurs nicht, und sie dehnen ihren Kurs weder aus noch vermindern sie ihn. Und sie halten einander die Treue gemäß dem Schwur, den sie haben.
6 Zuerst geht die Sonne auf und vollendet ihre Bahn nach dem Befehl des Herrn der Geister – sein Name hat Bestand für immer und ewig.
7 Und danach sah ich die unsichtbare und sichtbare Bahn des Mondes; er vollendet seine Bahn an diesem Ort bei Tag und bei Nacht. Und einer steht dem anderen gegenüber in der Gegenwart des Herrn der Geister; und sie geben Lob und Ehre und ruhen nicht, denn ihr Lob ist ihnen Ruhe.
8 Denn die Sonne (macht) viele Umläufe zum Segen und zum Fluch, und der Lauf der Bahn des Mondes ist Licht für die Gerechten und Finsternis für die Sünder, Im Namen des Herrn, der zwischen Licht und Finsternis unterscheidet und die Geister der Menschen scheidet und die Geister der Gerechten stärkt im Namen seiner Gerechtigkeit.

Book of Enoch 41:5-8, George W. E. Nickelsburg und James C. VanderKam, 1 Enoch 2: A Commentary on the Book of 1 Enoch, Chapters 37-82, hg. von Klaus Baltzer, Hermeneia-A Critical and Historical Commentary on the Bible (Minneapolis, MN: Fortress Press, 2012), 142

Bild: Ante Hamersmit

Völlerei

Mal ein wenig deftiger heute 🙂

Der Bauch dieser Schlange war aber offen, und darin erschien die Gestalt eines Menschen, die wie in einer Wiege auf dem Rücken lag. Auf ihrem Kopf hatte sie eine Filzmütze wie einen ein wenig nach oben gerichteten Helm, und ihre Haare waren weiß und hingen unter der Filzmütze auf ihre Schultern herab. Sie trug ein Kleid aus feiner, weißer Seide und war auch mit einem Mantel umhüllt, dessen Farbe der Farbe der Schlange ähnlich war. Und diese Gestalt sprach:

1. Die Worte der Völlerei

„Gott hat alles erschaffen. Warum sollte ich verschmachten? Wenn Gott nicht wüsste, dass dies alles notwendig ist, hätte er es nicht erschaffen. So wäre ich töricht, wenn ich meinen eigenen Willen in all dem nicht walten lassen würde,  da ja Gott will, dass der Körper des Menschen an Kräften nicht verliert“

2. Die Antwort der Enthaltsamkeit <abstinentia>

Und wiederum hörte ich aus der erwähnten stürmischen Wolke, die sich von Süden nach Westen ausbreitete, eine Stimme, die mit folgenden Worten antwortete:

„Niemand zupft die Harfe so, dass ihre Saiten zerreißen. Wenn ihre Saiten kaputt sind, wie könnte sie klingen? Auf keine Weise! Du, Schlund, du stopfst deinen Bauch so voll, dass all deine Adern krank sind und in Raserei geraten. Und wo ist dann der süße Klang der Weisheit, die Gott dem Menschen gegeben hat? Du bist ja stumm und blind, und weißt nicht, was du so daherredest. Wie aber der herabstürzende Regen die Erde umwühlt, so lässt das Übermaß an Fleisch und Wein den Menschen in Hohn und Gotteslästerung stürzen. Ich dagegen sah im Lehm die schöne Gestalt, die Gott als den Menschen erschaffen hat. Daher bin ich ein angemessener Regen, damit das Fleisch nicht in Lastern wuchert. Und ich fördere in den Menschen die Mäßigung zutage, damit ihr Fleisch keinen Mangel leidet und durch maßloses Verschlingen von nahrhafter  Speise nicht mehr zunimmt, als es nötig ist. Denn ich bin eine Harfe, da ich in schönen Klängen des Lobes erschalle und so die Härte des Herzens mit dem guten Willen durchbohre. Wenn nämlich der Mensch seinen Körper mit Maß ernährt, dann erklinge ich in seinen Gebeten auf der Harfe bis zum Himmel: und wenn er seinen Körper in maßvollem Essen rein hält, singe ich zur Orgel, was du, Schlund, nicht kennst, nicht verstehst, und auch nicht zu erkennen und zu verstehen suchst. Denn bald wühlst du dich im Übermaß des Fastens so sehr auf, dass du kaum mehr leben kannst, bald überfüllst du deinen Bauch so in Gefräßigkeit, dass du vor Hitze brodelst und Schaum erbrichst. Ich aber halte im Essen Maß, damit die Säfte im Menschen weder ausgetrocknet werden, noch ihr Maß übersteigen, und dann singe ich Lobgesänge zur Harfe und zur Orgel. O all ihr Getreuen, entzieht euch der Schlemmerei! Denn der Bauch der alten Schlange hat die Schlemmerei verschlungen und dadurch viel Dreck erbrochen.“

aus Hidelgard von Bingen, Werke, Band VII, „Liber vitae meritorum“, Zweiter Teil, S. 112f

Hinführung, um eine Wahl zu treffen

2 In jeder guten Wahl muß, soweit es an uns liegt, das Auge unserer Absicht einfach sein, indem ich nur auf das schaue, wofür ich geschaffen bin, nämlich zum Lobpreis Gottes unseres Herrn und zur Rettung meiner Seele. 3 Und so muß, was immer ich erwählte, derart sein, daß es mir für das Ziel hilft, für das ich geschaffen bin, indem ich nicht das Ziel auf das Mittel hinordne und -ziehe, sondern das Mittel auf das Ziel. 4 So kommt es etwa vor, daß viele zuerst erwählen, sich zu verheiraten, was Mittel ist; und in zweiter Linie, Gott unserem Herrn in der Ehe zu dienen, welcher Dienst für Gott Ziel ist. Ebenso gibt es andere: Sie wollen zuerst Pfründen haben und danach Gott in ihnen dienen. 5 Diese gehen also nicht geradeaus zu Gott, sondern sie wollen, daß Gott geradeaus zu ihren ungeordneten Anhänglichkeiten kommt; und sie machen folglich aus dem Ziel ein Mittel und aus dem Mittel ein Ziel. Sie nehmen also, was sie als erstes hätten nehmen sollen, zuletzt. 6 Denn zuerst müssen wir uns als Gegenstand setzen, Gott dienen zu wollen, was das Ziel ist; und in zweiter Linie, eine Pfründe zu nehmen oder mich zu verheiraten, wenn es angebrachter für mich ist, was das Mittel für das Ziel ist. 7 So darf mich nichts bewegen, diese Mittel zu nehmen oder mich ihrer zu berauben, außer allein der Dienst und Lobpreis für Gott unseren Herrn und das ewige Heil meiner Seele.

Ignatius von Loyola, Geistliche Übungen, 169

Der bewegliche Gott

„Eine Untersuchung des Motivs der Reue Gottes in der Hebräischen Bibel“ (Jan-Dirk Döhling)

Vielfach bezeichnet die Hebräische Bibel ein Verhalten Gottes, einen Handlungs- oder Absichtswandel, als seine Reue (vgl. etwa die Fluterzählung, die Geschichte vom sog. Tanz ums goldene Kalb, das Jonabuch und die berühmte Passage von Gottes Herzensumsturz in Hosea 11). Ist Gott demnach fehlbar? Vergisst sich Gott? Tut Gott, was er sagt? Kaum zufällig hat die alttestamentliche Exegese dieses irritierende Gottesbild weithin gemieden. Die vorliegende Studie untersucht die hebräische Reuewurzel „nicham“ in ihrer Breite. Sie gelangt nach methodischen und semantischen Vorüberlegungen zu einer narratologischen Beschreibung und theologischen Deutung des biblischen Reue-Motivs. Zentrale Bedeutung gewinnt dabei die Kategorie der Bewegung. Israels Gott ist beweglich, kann sich bewegen und bewegen lassen. Bewegen sich Menschen kehrt Gott um, bewegt sich Gott können Menschen sich zu ihm kehren.

Das Buch ist kostenfrei bei Academia verfügbar.

Reife macht Stolz?

Es ist gefährlich, zu selbstbewusst zu werden, was die Reife unseres eigenen Glaubens angeht. Unser Stolz ist wie die Feder eines Jack-in-the-box [Anm.: eine an einer Sprungfeder angebrachter Clownskopf, die beim Öffnen des Deckels noch oben schnellt]: Gerade wenn wir denken, dass er kaputt ist oder dass wir den Deckel fest verschlossen haben, erwacht er wieder zum Leben. Er erhebt sein hässliches Haupt und tänzelt herum wie ein Zirkusnarr.
Es ist so leicht, sich in unseren eigenen Errungenschaften zu verfangen – auch wenn es um den Glauben geht. Wir können in der Erkenntnis wachsen und dann auf andere herabschauen, die noch wachsen müssen. Der Psalmist in Ps 131 präsentiert die Lösung mit einer sicheren, prägnanten Aussage. Er unterwirft sich ganz der Ordnung Gottes. Er ringt nicht mit den Dingen, die keinen Sinn ergeben – er ist in der Lage, sie in Gottes Hand zu legen. Sein innerer Friede kommt aus dem totalen Vertrauen in Gott: „Mein Herz ist nicht hochmütig, und meine Augen sind nicht hochmütig, und ich kümmere mich nicht um Dinge, die zu groß und zu schwer für mich sind. Vielmehr habe ich meine Seele besänftigt und zur Ruhe gebracht, wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele bei mir“ (Ps 131,1-2).
Reifer Glaube findet sich im kindlichen Vertrauen – einem Vertrauen, das uns selbst als klein und Gott als mächtig ansieht. Petrus spricht auch über den Frieden, der ein Ergebnis des Glaubens ist, der sich Gott unterordnet. Die Unterordnung erlaubt uns, in einer Situation weise zu handeln, alles „um des Herrn willen“ (1 Petr 2,13). Gutes zu tun wird die Unwissenden zum Schweigen bringen (1Petr 2,15), und wenn wir Gutes tun, während wir die Misshandlung anderer ertragen, wird Gott uns seine Gunst erweisen (1Petr 2,20). Letztendlich ist es Christus, der als Beispiel für Unterordnung dient. Selbst als er litt und Misshandlungen ertrug, hat Jesus „keine Sünde begangen und kein Betrug in seinem Mund gefunden“ (1. Petr. 2,22). Stattdessen hat er sich „dem anvertraut, der gerecht richtet“ (1. Petr. 2,23).
Jesu Erlösungstat sollte der Fokus all unseres Handelns sein. Während Stolz eine Rebellion gegen Ihn ist, reichen Vergebung und Gnade durch Christus aus, um uns bis ans Ende unserer selbst zu treiben und uns in den Hafen der Liebe Gottes zu schicken. Sein Opfer beseitigt das Bedürfnis, hochmütig und selbstsüchtig zu sein. Es bringt unsere Seelen zur Ruhe.

John D. Barry und Rebecca Kruyswijk, Connect the Testaments: A One-Year Daily Devotional with Bible Reading Plan (Bellingham, WA: Lexham Press, 2012).

Beste Freunde für immer

Diese Generation hat mehr Möglichkeiten zur Kommunikation als jede andere vor ihr, mit E-Mail und sozialen Netzwerken, die es möglich machen, rund um die Uhr mit anderen zu interagieren. Dennoch sind die Selbstmordraten höher als je zuvor und Antidepressiva sind fast zum Standard geworden. Wir haben mehr Verbindungen als je zuvor, aber es sind keine Beziehungen. Wir fühlen uns immer noch allein. Menschen brauchen authentische Gemeinschaft – das Gefühl, mit jemandem zusammen zu sein – um sich ganz und gesund zu fühlen.

Die Geschichte von David und Jonathan zeigt die wahre Natur von Freundschaft: „Die Seele Jonathans hing an der Seele Davids, und Jonathan liebte ihn wie seine eigene Seele“ (1 Sam 18,1). Jonathan hätte leicht eifersüchtig auf seinen Freund sein können; David war ein großer Krieger und war gerade in den Haushalt von Jonathans Vater, dem König, als dessen Schützling aufgenommen worden (1 Sam 17,48-58; 18,2). Anstatt eifersüchtig zu sein, reagierte Jonathan mit Liebe und Freundlichkeit, und die beiden wurden die beständigsten Freunde.

Eine authentische Beziehung baut auf Vertrauen auf, was oft damit beginnt, dass eine Person sich für die andere aufopfert. Jonathan brachte ein solches Opfer: „Jonathan zog das Gewand aus, das er trug, und gab es David, zusammen mit seinem Kampfanzug und sogar seinem Schwert, seinem Bogen und seinem Gürtel“ (1 Sam 18,3-4). Weil Jonathan David als Freund liebte, wuchs ihre Beziehung zu einer tief verwurzelten Loyalität. Wenn wir dieses tiefe Vertrauen und diese Loyalität mit einem Freund teilen, können wir gemeinsam in Gottes Willen wachsen. Wir alle brauchen jemanden, auf den wir uns verlassen können; David und Jonathan zeigen, wie kraftvoll eine solche Beziehung sein kann. Sie lehren uns, was es bedeutet, Jahwe mit einem anderen Menschen an der Seite zu folgen.

In der frühen Kirche waren authentische Beziehungen nicht nur eine Idee – sie waren eine Lebensweise: „Ist jemand unter euch krank? Dann soll er die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen und sie sollen über ihm beten und ihn im Namen des Herrn mit Olivenöl salben“ (Jak 5,14). Die frühe Kirche reagierte auf Krankheit oder Schmerz nicht mit den Worten: „Ich werde für dich beten.“ Sie haben tatsächlich gebetet. So wie Jonathan in einer schnellen Aktion David die Ehre gab, wie ein Königssohn zu sein, so kümmerte sich die frühe Kirche schnell um die ihren. Sie machten sich Freunde, indem sie loyal waren, wie Christus ihnen gegenüber loyal war. Sie schufen Gemeinschaft, indem sie Liebe und Freundlichkeit zeigten, ohne zu verlangen, dass diese Freundlichkeit erwidert wird. Aber die Rendite war groß: Sie legten den Grundstein für eine weltweite Bewegung.

John D. Barry und Rebecca Kruyswijk, Connect the Testaments: A One-Year Daily Devotional with Bible Reading Plan (Bellingham, WA: Lexham Press, 2012)

Urknall

Ein interessanter Gedankengang aus dem Buch „Abschaffung der Religion?“ (Richard Schröder):

Deshalb ist es jedenfalls nicht einfach nur verrückt, sich vorzustellen, dass es drei Sekunden nach dem Urknall, als es weder uns noch intelligente Wesen auf anderen Planeten geben konnte (denn es gab noch keine Atome, geschweige denn Moleküle oder gar die DNA), bereits nicht nur etwas, sondern auch jemanden gab – wobei schon der Satz ‘es gab etwas’ ohne Sprecher ohne Sinn ist. In der Bibel findet sich jedenfalls dieser Gedanke: ‘Ehe die Berge geboren waren und die Erde und die Welt geschaffen, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit’ (Ps 90,2).

„Abschaffung der Religion?“ (Richard Schröder)

Hinweis: Das Buch ist quasi eine Erwiderung auf Dawkins „Gotteswahn“ und „Das egoistische Gen“.

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