Kaufe Wahrheit und verkaufe sie nicht

Kaufe Wahrheit und verkaufe sie nicht

Sprüche 23,23

Man muss oft etwas dafür hergeben, wenn man die Wahrheit Gottes haben will, und wir sollten bereit sein, diesen Preis zu zahlen, was es auch seinmag. Und wenn wir die Wahrheit einmal bekommen haben, dann sollten wir sie auch nie wieder loslassen. Nun ist der Vers nicht so streng wörtlich zu verstehen, dass wir so viele Bibeln und christliche Bücher wie nur möglich kaufen müssten, sie aber unter keinen Umständen wieder verkaufen dürften. Die Wahrheit kaufen bedeutet hier vielmehr, große Opfer auf sich zu nehmen, um Kenntnisse über Gott und Seine Grundsätze zu erwerben. Das kann für einen beispielsweise die Feindschaft der eigenen Familienmitglieder oder den Verlust der Arbeitsstelle bedeuten. Es kann auch die Trennung von früheren religiösen Bindungen, finanziellen Verlusten oder auch körperliche Misshandlung mit sich bringen.

Die Wahrheit verkaufen, bedeutet, faule Kompromisse zu schließen oder sie ganz zu preiszugeben. Dazu sollten wir niemals bereit sein.

Arnot schreibt in seinem Buch »Die Kirche zu Hause«: »Es ist eine allgemeine Regel in der Natur des Menschen, dass das, was mit Leichtigkeit kommt, auch mit Leichtigkeit wieder geht. Was wir aber durch einen schweren Kampf errungen haben, das halten wir auch energisch fest, sei es nun unser Vermögen oder auch unser Glaube. Die Menschen, die ohne nennenswerte eigene Sorgen und Mühen zu einem großen Reichtum gekommen sind, vergeuden ihn oft und sterben schließlich in Armut. Es ist dagegen selten, dass ein Mensch, der ein Vermögen durch riesige Anstrengungen erworben hat, diesen schwer errungenen Reichtum einfach verschwendet. Genauso geht es dem Christen, der seinen Weg zum Glauben erkämpft hat. Falls er durchs Feuer und durchs Wasser gehen musste, um diesen Platz des Reichtums zu finden, wird er dies köstliche Erbe auch nicht leichtfertig wieder aufgeben.«

aus Licht für den Weg – Tägliche Andachten, William MacDonald, Eintrag zum 17.10.

Ansteckend fröhlich

Herr, ich freue mich, weil du die Lilien des Feldes
und die Spatzen auf dem Dach liebst.
Ich freue mich, weil du keinen Unterschied machst
zwischen Weißen und Schwarzen.
Ich freue mich, weil die Wolken und die Flüsse
so unbekümmert und fröhlich sind.
Ich freue mich, weil ich jeden Tag – fast jeden Tag!
etwas zu essen habe.
Ich freue mich, weil ich lesen und schreiben kann

Ich freue mich, weil meine schwarzen Brüder und Schwestern so gerne lachen.
Ich freue mich, weil auch die Heiligen frohe Menschen waren.
Ich freue mich, weil deine Religion so froh macht.

aus Ostafrika, einfach leben 10/2021

Gott unser Vater

Die Redeweise von »Gott unserem Vater« ist als Metapher durch den Wandel gesellschaftlicher Verhältnisse in ihrer Verständlichkeit gefährdet. Es gilt darum, die für das biblische Vaterbild entscheidenden Aspekte festzuhalten: 1. das Verdanken der Existenz (vgl. Deut. 32,6; Mal. 2,10) mit der Konsequenz der Verehrung (vgl. Mal. 1,6); 2. den Aspekt der Fürsorge mit der Konsequenz des Vertrauens (vgl. Matth. 6,7f. und 31–33; 7,7–11; Luk. 11,9–13); 3. den Aspekt des Erbarmens (vgl. Ps. 103,8–13; Luk. 15,11–32), das von den Kindern nachgeahmt und weitergegeben werden will (vgl. Matth. 5,44f.; Luk. 6,36). Es fällt auf, daß diese drei Aspekte heute eher der traditionellen Rolle der Mutter zugeschrieben werden; die biblische Vater-Metapher ist also keine Überhöhung traditioneller Männerrollen, sondern stellt diese eher in Frage.

Klaus Haacker, Der Brief des Paulus an die Römer, hg. von Jens Herzer und Udo Schnelle, 5. Auflage, Bd. 6, Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament (Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2019), 32.

Der Friede Gottes

und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.

Philipper 4,7

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam.

Johannes 14,27

Wie ein Strom von oben
aus der Herrlichkeit
fließt der Friede Gottes
durch das Land der Zeit.
Tiefer, reicher, klarer
strömt er Tag und Nacht
mit unwiderstehlich
wunderbarer Macht.

Frances Ridley Havergal

Dieser Friede bewacht das Herz und das Gedankenleben. Welch ein notwendiger Grundton ist er in unserer Zeit der Neurosen, der Nervenzusammenbrüche, der Beruhigungsmittel und der seelischen Not.

William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament, übers. von Christiane Eichler, 7. Auflage (Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 2018), 979

Unsere Heilige Mutter Pelagia die Büßerin

Pelagia war eine berühmte Schauspielerin und Tänzerin in Antiochia. Sie war sehr schön, kleidete sich mit großem Luxus und Stil und war eine beliebte Sensation. Außerdem war sie eine Prostituierte und sehr wohlhabend. Die Menschen in Antiochia nannten sie Margarete (oder „Perle“), weil sie so viel Schmuck trug. Eines Tages traf sich eine Gruppe von Bischöfen in Antiochia, und Bischof Nonnus sah sie. Er sah sie lange an, als sie vorbeiritt, und sagte dann zu den anderen versammelten Bischöfen: „War sie nicht wunderschön?“ – und er begann zu weinen. Er erklärte ihnen: „Es war eine Freude, sie zu sehen. Mir scheint, Gott hat sie hierher gestellt, um uns zu richten, denn sie verwendet so viel Zeit und Mühe darauf, körperlich schön zu sein, und wir verwenden nicht so viel Zeit und Mühe darauf, geistlich schön zu werden.“

Als Nonnus das nächste Mal in der Kirche sprach, war Pelagia (zum ersten Mal) dabei und hörte sich seine Predigt an. Seine Worte trafen sie mitten ins Herz und sie sah ihr Leben in all seiner Hässlichkeit und Schande. Sie begann zu weinen und schickte später eine Nachricht an Bischof Nonnus: „An den heiligen Jünger Christi – eine Sünderin und Jüngerin des Teufels lässt grüßen.“ In ihrem Brief bat sie darum, in die Kirche aufgenommen zu werden. Nonnus freute sich und ernannte eine Diakonin, Romana, zu ihrer Patin. Pelagia ließ sich taufen und schenkte bald darauf ihr gesamtes Vermögen der Kirche, um es den Armen zu geben. Am achten Tag nach ihrer Taufe legte sie ihr weißes Taufkleid ab und verließ Antiochia – nicht, um zur Sünde zurückzukehren, sondern um in Jerusalem asketisch zu leben. Sie lebte in der Einsamkeit als Einsiedlerin und gab sich als Mann, Pelagius, aus, um sicher zu sein. Nach ihrem Tod wurde entdeckt, dass sie eine Frau war. Sie starb um 460 in Frieden.

Lawrence R. Farley, A Daily Calendar of Saints: A Synaxarion for Today’s North American Church (Chesterton, IN: Ancient Faith Publishing, 2018), 226-227.

Wer die Wahrheit tut kommt zum Licht

20 Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; 21 wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.

Joh 3,20-21

Dazu aus dem Buch Enoch (Pseudepigraph):

5 Und ich sah die Vorratskammern der Sonne und des Mondes, aus denen sie hervorkommen und zu denen sie zurückkehren, und ihre herrliche Rückkehr, und wie die eine lobenswerter ist als die andere, und ihren prächtigen Lauf. Und sie verlassen den Kurs nicht, und sie dehnen ihren Kurs weder aus noch vermindern sie ihn. Und sie halten einander die Treue gemäß dem Schwur, den sie haben.
6 Zuerst geht die Sonne auf und vollendet ihre Bahn nach dem Befehl des Herrn der Geister – sein Name hat Bestand für immer und ewig.
7 Und danach sah ich die unsichtbare und sichtbare Bahn des Mondes; er vollendet seine Bahn an diesem Ort bei Tag und bei Nacht. Und einer steht dem anderen gegenüber in der Gegenwart des Herrn der Geister; und sie geben Lob und Ehre und ruhen nicht, denn ihr Lob ist ihnen Ruhe.
8 Denn die Sonne (macht) viele Umläufe zum Segen und zum Fluch, und der Lauf der Bahn des Mondes ist Licht für die Gerechten und Finsternis für die Sünder, Im Namen des Herrn, der zwischen Licht und Finsternis unterscheidet und die Geister der Menschen scheidet und die Geister der Gerechten stärkt im Namen seiner Gerechtigkeit.

Book of Enoch 41:5-8, George W. E. Nickelsburg und James C. VanderKam, 1 Enoch 2: A Commentary on the Book of 1 Enoch, Chapters 37-82, hg. von Klaus Baltzer, Hermeneia-A Critical and Historical Commentary on the Bible (Minneapolis, MN: Fortress Press, 2012), 142

Bild: Ante Hamersmit

„Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“

Markus 9,24 – „Sogleich schrie der Vater des Kindes und sagte: Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“

Das heißt nicht: „Hilf mir, meinen Unglauben in Glauben zu verwandeln“, sondern: „Hilf mir aus meiner Not, trotz des Unglaubens, den du in mir findest.“ Er behauptet zunächst, dass er glaubt, auch wenn seine Sprache das Gegenteil vermuten lässt. Und doch lässt er es nicht dabei bewenden, sondern bittet Jesus, ihm in jedem Fall Barmherzigkeit zu erweisen. Er beruft sich auf das Erbarmen Jesu und nicht auf seinen eigenen Glauben und zeigt damit unbewusst einen echten Glauben.

Ezra Palmer Gould, A critical and exegetical commentary on the Gospel according to St. Mark, International Critical Commentary (New York: C. Scribner’s Sons, 1922), 169-170.

BETEN, UM ZU GLAUBEN, GLAUBEN, UM ZU BETEN. AUGUSTINE: Wo der Glaube versagt, vergeht das Gebet. Denn wer betet für das, woran er nicht glaubt?… Damit wir also beten können, lasst uns glauben, und lasst uns beten, dass derselbe Glaube, mit dem wir beten, nicht wanken möge.

GNADE ZUR UNTERSTÜTZUNG DES GLAUBENS. JOHN CASSIAN: Als er sah, dass sein Glaube von den Wellen des Unglaubens auf die Felsen getrieben wurde, die einen furchtbaren Schiffbruch verursachen würden, bat er den Herrn um Hilfe für seinen Glauben und sagte: „Herr, hilf mir in meinem Unglauben. “ So gründlich erkannten die Apostel und die, die im Evangelium leben, dass alles, was gut ist, durch die Hilfe des Herrn zur Vollendung gebracht wird, und bildeten sich nicht ein, dass sie ihren Glauben aus eigener Kraft oder freiem Willen unversehrt bewahren könnten, dass sie darum beteten, dass er ihnen vom Herrn geholfen und gewährt würde.

SELBST DIE UNGLÄUBIGEN ERKENNEN DEN WERT DES GLAUBENS AN. CAESARIUS VON ARLES: Die Tugend des Glaubens ist so groß, dass selbst diejenigen, die sich weigern, ihn zu bewahren, ihn noch zu loben wagen. Wahrlich, der Glaube wird zu Recht gepriesen, denn ohne ihn wird kein gutes Werk begonnen oder vollendet.

Thomas C. Oden und Christopher A. Hall, Hrsg., Mark (Revised), Ancient Christian Commentary on Scripture (Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 1998), 117-118.

Bild: Milada Vigerova

Völlerei

Mal ein wenig deftiger heute 🙂

Der Bauch dieser Schlange war aber offen, und darin erschien die Gestalt eines Menschen, die wie in einer Wiege auf dem Rücken lag. Auf ihrem Kopf hatte sie eine Filzmütze wie einen ein wenig nach oben gerichteten Helm, und ihre Haare waren weiß und hingen unter der Filzmütze auf ihre Schultern herab. Sie trug ein Kleid aus feiner, weißer Seide und war auch mit einem Mantel umhüllt, dessen Farbe der Farbe der Schlange ähnlich war. Und diese Gestalt sprach:

1. Die Worte der Völlerei

„Gott hat alles erschaffen. Warum sollte ich verschmachten? Wenn Gott nicht wüsste, dass dies alles notwendig ist, hätte er es nicht erschaffen. So wäre ich töricht, wenn ich meinen eigenen Willen in all dem nicht walten lassen würde,  da ja Gott will, dass der Körper des Menschen an Kräften nicht verliert“

2. Die Antwort der Enthaltsamkeit <abstinentia>

Und wiederum hörte ich aus der erwähnten stürmischen Wolke, die sich von Süden nach Westen ausbreitete, eine Stimme, die mit folgenden Worten antwortete:

„Niemand zupft die Harfe so, dass ihre Saiten zerreißen. Wenn ihre Saiten kaputt sind, wie könnte sie klingen? Auf keine Weise! Du, Schlund, du stopfst deinen Bauch so voll, dass all deine Adern krank sind und in Raserei geraten. Und wo ist dann der süße Klang der Weisheit, die Gott dem Menschen gegeben hat? Du bist ja stumm und blind, und weißt nicht, was du so daherredest. Wie aber der herabstürzende Regen die Erde umwühlt, so lässt das Übermaß an Fleisch und Wein den Menschen in Hohn und Gotteslästerung stürzen. Ich dagegen sah im Lehm die schöne Gestalt, die Gott als den Menschen erschaffen hat. Daher bin ich ein angemessener Regen, damit das Fleisch nicht in Lastern wuchert. Und ich fördere in den Menschen die Mäßigung zutage, damit ihr Fleisch keinen Mangel leidet und durch maßloses Verschlingen von nahrhafter  Speise nicht mehr zunimmt, als es nötig ist. Denn ich bin eine Harfe, da ich in schönen Klängen des Lobes erschalle und so die Härte des Herzens mit dem guten Willen durchbohre. Wenn nämlich der Mensch seinen Körper mit Maß ernährt, dann erklinge ich in seinen Gebeten auf der Harfe bis zum Himmel: und wenn er seinen Körper in maßvollem Essen rein hält, singe ich zur Orgel, was du, Schlund, nicht kennst, nicht verstehst, und auch nicht zu erkennen und zu verstehen suchst. Denn bald wühlst du dich im Übermaß des Fastens so sehr auf, dass du kaum mehr leben kannst, bald überfüllst du deinen Bauch so in Gefräßigkeit, dass du vor Hitze brodelst und Schaum erbrichst. Ich aber halte im Essen Maß, damit die Säfte im Menschen weder ausgetrocknet werden, noch ihr Maß übersteigen, und dann singe ich Lobgesänge zur Harfe und zur Orgel. O all ihr Getreuen, entzieht euch der Schlemmerei! Denn der Bauch der alten Schlange hat die Schlemmerei verschlungen und dadurch viel Dreck erbrochen.“

aus Hidelgard von Bingen, Werke, Band VII, „Liber vitae meritorum“, Zweiter Teil, S. 112f

Hinführung, um eine Wahl zu treffen

2 In jeder guten Wahl muß, soweit es an uns liegt, das Auge unserer Absicht einfach sein, indem ich nur auf das schaue, wofür ich geschaffen bin, nämlich zum Lobpreis Gottes unseres Herrn und zur Rettung meiner Seele. 3 Und so muß, was immer ich erwählte, derart sein, daß es mir für das Ziel hilft, für das ich geschaffen bin, indem ich nicht das Ziel auf das Mittel hinordne und -ziehe, sondern das Mittel auf das Ziel. 4 So kommt es etwa vor, daß viele zuerst erwählen, sich zu verheiraten, was Mittel ist; und in zweiter Linie, Gott unserem Herrn in der Ehe zu dienen, welcher Dienst für Gott Ziel ist. Ebenso gibt es andere: Sie wollen zuerst Pfründen haben und danach Gott in ihnen dienen. 5 Diese gehen also nicht geradeaus zu Gott, sondern sie wollen, daß Gott geradeaus zu ihren ungeordneten Anhänglichkeiten kommt; und sie machen folglich aus dem Ziel ein Mittel und aus dem Mittel ein Ziel. Sie nehmen also, was sie als erstes hätten nehmen sollen, zuletzt. 6 Denn zuerst müssen wir uns als Gegenstand setzen, Gott dienen zu wollen, was das Ziel ist; und in zweiter Linie, eine Pfründe zu nehmen oder mich zu verheiraten, wenn es angebrachter für mich ist, was das Mittel für das Ziel ist. 7 So darf mich nichts bewegen, diese Mittel zu nehmen oder mich ihrer zu berauben, außer allein der Dienst und Lobpreis für Gott unseren Herrn und das ewige Heil meiner Seele.

Ignatius von Loyola, Geistliche Übungen, 169

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